Bernd-Michael Land / The Early Tapes 1969-1970

Bernd-Michael Land
Großstadt Eremit -Januar 1970

Die Anfänge

Meine ersten Experimente mit elektronischen Klängen und Geräuschen begannen im Herbst 1969, also zu einer Zeit, in der elektronische Musik noch stark von aufwendiger Technik geprägt war.
Ich hatte dagegen nur einfache Geräte zur Verfügung, aber gerade diese Beschränkungen wurden für mich zu einem Ausgangspunkt für eigene Klangexperimente.
Ein frühes Beispiel dafür ist das Stück „Großstadt Eremit“, das im Januar 1970 aufgenommen wurde.

Der hier vorliegende Track ist eine gekürzte Fassung und gehört zu meinen ersten Versuchen, Geräusch, Klang und elektronische Tonerzeugung miteinander zu verbinden.
Als Klangerzeuger verwendete ich ein Big Briar (Moog) Etherwave Theremin (als Bausatz gekauft und selbst zusammengelötet).
Für die Aufnahme nutze ich zwei alte Uher Mono-Tonbandgeräte, ein Telefunken Magnetofon Stereo-Tonbandgerät vom Sperrmüll sowie einen ITT Stereo-Kassettenrekorder.
Dazu kam ein Teisco-Verstärker mit Federhall, den ich auch für meine Feedback-Experimente einsetzte.
Es handelte sich also durchweg um einfache Geräte aus dem Consumerbereich.
Das war kein professionelles Studio, sondern eine überschaubare Sammlung von einfacher billiger Technik, mit der ich frei experimentieren konnte.

Das Material wurde im Februar 1970 auf 18-cm-Tonbandspulen aufgenommen.
Die Bandschleifen aus den beiden Monogeräten (Tape Loops) waren bis zu 24 Meter lang und liefen durch mehrere Zimmer in der Wohnung, aufgenommen wurde dann in Stereo.

Ich habe damals bereits viel geschnitten und Overdubs ausprobiert. Die einzelnen Aufnahmen wurden immer wieder neu zusammengesetzt, übereinandergelegt und miteinander kombiniert. Das Tonband war damit nicht einfach nur ein Speichermedium, sondern wurde zu einem regelrechten Produktionsinstrument.
Parallel dazu legte ich ein Backup in Stereo auf einer 120 Minuten BASF Kompaktkassette an, welche ich auch für diesen Mix verwendet habe.

„Großstadt Eremit“ ist deshalb für mich weniger ein fertiges Werk im heutigen Sinne als ein frühes Dokument einer musikalischen Suche und ich habe sehr lange überlegt, ob ich das Material überhaupt veröffentlichen soll.
Heute, mehr als fünf Jahrzehnte später, kann ich jedoch in diesen Aufnahmen bereits einige der Ideen erkennen, die meine spätere Arbeit begleiten sollten: die Beschäftigung mit Geräusch, elektronischer Klangfarbe, Wiederholung, Raum und Feedback.

Die Audiodateien wurden im August 2026 im SynxsS-Studio in Rodgau aufwändig restauriert, geschnitten und gemastert.

Die vorliegende Fassung macht damit einen frühen Abschnitt meiner frühen Arbeit wieder hörbar.
Entstanden ist das im Januar 1970 noch aus reiner Spielerei und Hobby aber mit viel Neugier auf all das, was möglich ist.

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Am Ende bleibt die Musik

Hallo, liebe Freunde!

Oft teile ich hier Bilder meines älteren Equipments, und es freut mich aufrichtig zu sehen, wie viel Interesse, Begeisterung und Wertschätzung diese Maschinen bei euch hervorrufen. Dennoch bin ich nie und war auch nie ein Sammler.

Für mich sind diese Instrumente keine Objekte, deren Wert sich allein aus ihrer Seltenheit, ihrem Alter oder ihrer Geschichte ableitet. Sie sind keine stummen Zeugnisse einer vergangenen Zeit und keine bloßen Ausstellungsstücke. Sie sind Werkzeuge und zugleich Träger meiner Ideen und  Möglichkeiten.

Natürlich zeigen sie die Spuren der Jahre. Ihre Oberflächen erzählen von Gebrauch, von technischen Entwicklungen, von einer Zeit, in der Musik unter anderen Bedingungen entstanden ist. Doch ihre eigentliche Bedeutung liegt für mich nicht in dem, was sie gewesen sind, sondern in dem, was durch sie noch immer entstehen kann.

Ich verbringe täglich viele Stunden im Studio und arbeite an neuer Musik. Denn so faszinierend Technologie, Maschinen und ihre Geschichte auch sein mögen, dürfen wir eines nicht vergessen: Ein Instrument besitzt seinen tiefsten Sinn nicht in seinem Besitz.

Seine Bedeutung entsteht erst in der Begegnung mit dem Menschen, der es benutzt.

Maschinen allein erschaffen keine Kunst. Sie bewahren keine Erinnerung, erzeugen keine Emotion und erzählen keine Geschichte – solange ihnen nicht jemand eine Stimme gibt. Erst durch den kreativen Prozess werden sie zu etwas, das über ihre materielle Existenz hinausweist.

Vielleicht liegt darin auch der eigentliche Unterschied zwischen Sammeln und Schaffen: Ein Sammler bewahrt seinen Synthesizer aber ich als Künstler setze ihn in Bewegung.

Am Ende sind all diese Maschinen, Technologien und Instrumente lediglich die Mittel auf dem Weg zu etwas, das sich ihrer technischen Beschreibung entzieht.

Denn letztlich geht es nicht um das, was wir besitzen, sondern um das, was wir damit erschaffen.

Und am Ende bleibt nur eines:

Die Musik.

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Alter Mann denkt (2013)

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

EMS QUEG

Der extrem seltene EMS QUEG 16-Kanal Quadrophonie Prozessor.
Nein, das ist leider nicht mein Gerät.
Das Foto habe ich im WDR Studio für Elektronisch Musik in Köln gemacht.

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Akustische Instrumente

Meine Gongs und Klangschalen -ich liebe den besonderen Klang dieser Instrumente.

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Damals. Wir waren arm und hatten ja nichts.

Damals.
Was für eine harte Zeit.
Wir waren arm und hatten ja nichts.
Die Sounds ließen sich nicht abspeichern, wir mussten mühsam selber komponieren, denn es gab noch keine KI.
Oh wie schrecklich, wir mussten noch kreativ sein und selber denken!

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

OUT NOW! – F U N D A M E N T –

Bernd-Michael Land „FUNDAMENT“

site-specific audiovisuelle Installation von Raum, Glaube und seismischer Erinnerung und künstlerische Forschung zur Demokratiegeschichte

Fundament ist ein Klangkunstwerk, das die Frankfurter Paulskirche als historischen, räumlichen und akustischen Resonanzraum untersucht.
Ausgangspunkt ist die Nationalversammlung von 1848, die als ein zentraler Bezugspunkt der deutschen Demokratiegeschichte und als symbolischer Grundstein parlamentarischer Selbstbestimmung verstanden werden kann.

Der Begriff Fundament verweist dabei sowohl auf die historischen Grundlagen demokratischer Ordnung als auch auf die Frage, welche Werte eine Gesellschaft tragen und zusammenhalten.
Zwischen Erinnerung, Gegenwart und gesellschaftlicher Polarisierung entsteht ein künstlerischer Dialog über Freiheit, Teilhabe, Gleichheit und kollektive Identität.
Die Klangaufnahmen mittels seismischen Geophonen und binauraler Technik erschließen die Paulskirche als physischen und akustischen Resonanzraum.

Ergänzt durch bearbeitete Sprachsamples mit Bezug zu den Debatten der Nationalversammlung, überführt das Werk historische Stimmen und Narrative in eine gegenwärtige, sinnlich erfahrbare Klangsprache.

Fundament verbindet damit Raum, Geschichte und Klang zu einer audiovisuellen Reflexion über die Voraussetzungen demokratischen Zusammenlebens und fragt danach, auf welchem Fundament eine offene und pluralistische Gesellschaft heute steht.

Edition USB-Stick in einer exklusiven Aufbewahrungsbox aus Holz
mit USB A und C,
Video im mpeg4-Format mit ca. 45 Minuten Spielzeit
24-seitige Projekt-Dokumentation (Arbeitsmappe) in
hochwertigem Druck auf 150g DIN A 4 Papier, gebunden
Label: Elektro-Kartell-Recordings LC10807
Bestell-Nr. EKUSB028

Preis: € 32,00 (zzgl. Porto)

Preisliste Fundament 2026

short trailer

Veröffentlicht unter Musik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

2001 Big Modular

2001 Big Modular -damals noch im alten SynxsS-Studio in Offenbach-Wildhof.

Veröffentlicht unter Musik, Studio | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar