Bernd-Michael Land
Großstadt Eremit -Februar 1970
Die Anfänge
Meine ersten Experimente mit elektronischen Klängen und Geräuschen begannen im Herbst 1969, also zu einer Zeit, in der elektronische Musik noch stark von aufwendiger Technik geprägt war.
Ich hatte dagegen nur einfache Geräte zur Verfügung, aber gerade diese Beschränkungen wurden für mich zu einem Ausgangspunkt für eigene Klangexperimente.
Ein frühes Beispiel dafür ist das Stück „Großstadt Eremit“, das im Februar 1970 aufgenommen wurde.
Der hier vorliegende Track ist eine gekürzte Fassung und gehört zu meinen ersten Versuchen, Geräusch, Klang und elektronische Tonerzeugung miteinander zu verbinden.
Als Klangerzeuger verwendete ich ein Big Briar (Moog) Etherwave Theremin (als Bausatz gekauft und selbst zusammengelötet).
Für die Aufnahme nutze ich zwei alte Uher Mono-Tonbandgeräte, ein Telefunken Magnetofon Stereo-Tonbandgerät vom Sperrmüll sowie einen ITT Stereo-Kassettenrekorder.
Dazu kam ein Teisco-Verstärker mit Federhall, den ich auch für meine Feedback-Experimente einsetzte.
Es handelte sich also durchweg um einfache Geräte aus dem Consumerbereich.
Das war kein professionelles Studio, sondern eine überschaubare Sammlung von einfacher billiger Technik, mit der ich frei experimentieren konnte.
Das Material wurde im Februar 1970 auf 18-cm-Tonbandspulen aufgenommen.
Die Bandschleifen aus den beiden Monogeräten (Tape Loops) waren bis zu 18 Meter lang und liefen durch mehrere Zimmer in der Wohnung, aufgenommen wurde dann in Stereo.
Ich habe damals bereits viel geschnitten und Overdubs ausprobiert. Die einzelnen Aufnahmen wurden immer wieder neu zusammengesetzt, übereinandergelegt und miteinander kombiniert. Das Tonband war damit nicht einfach nur ein Speichermedium, sondern wurde zu einem regelrechten Produktionsinstrument.
Parallel dazu legte ich ein Backup in Stereo auf einer 120 Minuten BASF Kompaktkassette an, welche ich auch für diesen Mix verwendet habe.
„Großstadt Eremit“ ist deshalb für mich weniger ein fertiges Werk im heutigen Sinne als ein frühes Dokument einer musikalischen Suche und ich habe sehr lange überlegt, ob ich das Material überhaupt veröffentlichen soll.
Heute, mehr als fünf Jahrzehnte später, kann ich jedoch in diesen Aufnahmen bereits einige der Ideen erkennen, die meine spätere Arbeit begleiten sollten: die Beschäftigung mit Geräusch, elektronischer Klangfarbe, Wiederholung, Raum und Feedback.
Die Audiodateien wurden im August 2026 im SynxsS-Studio in Rodgau aufwändig restauriert, geschnitten und gemastert.
Die vorliegende Fassung macht damit einen frühen Abschnitt meiner frühen Arbeit wieder hörbar.
Entstanden ist das im Februar 1970 noch aus reiner Spielerei und Hobby aber mit viel Neugier auf all das, was möglich ist.