Environment

##Land-Evironment
Unsere Ohren sind die wahren Meister der Sinne.

Quadroff

Ohne den Kopf zu drehen, können wir akustische Ereignisse aus allen Richtungen des Raumes wahrnehmen und präzise die Richtung der Schallquelle definieren.
Unsere Augen dagegen liefern uns nur ein Bild dessen, was wir frontal damit erfassen können.

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Hier entstand am Computer das Arrangement von “Underwater Lights“ für das neue quadrophonische Projekt „Meeresgrund“.
(September 2013)

Die Ohren ermöglichen es uns, die Schallereignisse aus jeder beliebigen Raumrichtung wahrzunehmen und sogar den genauen Standort einer Schallquelle (vorne, hinten, links, rechts, oben, unten) zu lokalisieren.
Alle, auch minimalste, Unterschiede in Frequenz, Laufzeit, Hall, Echo und Phasendrehung, vermitteln uns dabei präzise sämtliche Informationen über die Größe und Art des Raumes.
Auch mit geschlossenen Augen ist das menschliche Gehirn, nur durch die akustische Information, in der Lage, ein Bild über die Beschaffenheit und die Größe unserer Umgebung zu errechnen, da jede Fläche den Schall unterschiedlich stark reflektiert und absorbiert.

Jede musikalische Darbietung hängt daher auch unmittelbar von der Gestaltung des jeweiligen Raumes ab. Die Konstruktion eines akustisch perfekten Konzertsaales ist eine Meisterleistung und höchste Ingenieurskunst.

Die Beziehung von Klang und imaginärem Raum ist daher in der Musik ein elementarer Bezugspunkt und spielt bei der auditiven Wahrnehmung eine entscheidende Rolle.

Quadrophonie an sich ist nichts Neues.

Das Werk „Gesang der Jünglinge“ von Karlheinz Stockhausen entstand in der Zeit von 1955 bis 1956 kann historisch als die erste quadrophonische Komposition angesehen werden.
Der Verlauf von jedem klanglichen Element wurde bereits in der Komposition exakt definiert und auf vier Tonbandspuren fixiert und konnte in dieser Form dann live dargeboten werden.

Quadrophonie

Stockhausen legte mit diesem Werk die Wurzeln der elektronischen Raummusik.

Die erfolgreichsten Protagonisten für die neue Raumklangmusik waren sicherlich Pink Floyd mit dem Album Ummagumma von 1969.

Quadro für alle.

Die ersten 4-kanaligen Hi-Fi Systeme wurden Ende 1970 kommerziell produziert und an private Anwender verkauft.
Die Hersteller hatten damals ein möglichst authentisches Klangbild im Visier und wollten dem Hörer den Konzertsaal ins heimische Wohnzimmer bringen.

Leider gelang es seinerzeit nicht, über die Lautsprecher in den vier Raumecken, den Klang perfekt zu reproduzieren, weshalb die meisten Komponenten ziemlich bald wieder vom Markt verschwanden.

Außerdem standen mehrere verschiedene Systeme, die nicht miteinander kompatibel waren, im direkten Wettbewerb, was eine breite Markteinführung der Quadrophonie zusätzlich noch erschwerte.

Die Auswahl an quadrophonischen Medien (Schallplatten, Tonbänder) war, zusätzlich aufgrund der insgesamt geringen Nachfrage, ebenso recht überschaubar. Die wenigen Produktionen verschwanden schon sehr bald wieder komplett aus den Regalen der Plattenläden.

Die gängigste Art der Wiedergabe fand überwiegend in Pseudoquadrofonie (Vierkanalstereofonie) im System 2-2-4 statt. Es wurde hierbei die übliche Stereoklangquelle einfach diagonal über vier Lautsprecher verteilt.

Die technischen Hindernisse.

Eine große Problematik bei der quadrophonischen Wiedergabe sind die großen Lücken im Klangbereich, die daher resultieren, dass die Lautsprecher üblicherweise nur einen Abstrahlwinkel von ca. 60°aufweisen und eine 90° Raumecke daher nicht komplett ausfüllen können.

Befindet sich der Hörer dezentral im Randbereich des Raumes, sind nur noch die tieferen Frequenzen wahrzunehmen, die Erzeugung eines natürlichen und ausgewogenen Klangbildes ist also nicht möglich.

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Das Foto zeigt einen quadrophonischen Versuchsaufbau zur Positionierung der einzelnen Klangquellen im Raum für das Projekt „Meeresgrund“.
Aufgenommen im SynxsS Synthesis Sound Studio von Bernd-Michael Land in Rodgau.
(Oktober 2013)

Alle Raumklangsysteme basieren auf Phantomschallquellen.

Befinden sich die Lautsprecher neben oder hinter dem Hörer, so wird die räumliche Abbildung einer Schallquelle deutlich verringert.

Bei Quadrophonischer Wiedergabe werden die wichtigen Phantomschallquellen, die man sonst nur von vorne wahrnehmen kann, jedoch mit den Originalsignalen aus den vier, im Quadrat angeordneten, Lautsprechern vermischt, welches dann in der Praxis ein völlig verfälschtes und unrealistisches Klangbild ergibt.

Befindet sich der Hörer in einem gleichseitigen Dreieck vor zwei Lautsprechern, dann empfindet er einen sehr räumlichen Klang, befinden sich die Lautsprecher seitlich oder hinten, ist die Ortung der Signale deutlich geringer.

Warum Quadrophonie?

Bei den Konzerten in echter Quadrophonie im System 4-4-4 (auch diskrete Quadrophonie) werden vier gleichberechtigte Audiosignale, samt ihrer störenden Phantomschallquellen, abgemischt.

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Ein spezieller Vierkanal Prozessor „Quad Messager“ von Knas / Ekdahl wird für die Abmischung der Audiosignale in Echtzeit live auf der Bühne verwendet.
(Februar 2011)

An dieser Stelle befindet sich auch der Ansatz zu diesem Projekt, denn genau dieses Manko macht sich Bernd-Michael Land bei seinen 4-kanaligen Konzerten zu Nutze und erschafft ein ganz besonderes und surreales Hörerlebnis.

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Quadrophonisches Konzert „Das Lächeln der Bäume“ zur „Endzeit Ausstellung“ in Mainz.
(Dezember 2012)

Der Klang.

Nicht jeder Klang eignet sich auch für eine perfekte quadrophonische Wiedergabe.
Neben elektronischen Soundscapes und Drones aus den Synthesizern, verwendet Land auch häufig Klänge aus den Bereichen Bioakustik und Field Recording. Diese natürlichen Schallereignisse und Klanglandschaften findet er als Soundhunter nur in der Natur, außerhalb seines Tonstudios.

Die Aufnahmen der Umgebungsgeräusche erfolgen weitgehend mittels einem Kunstkopf (AKG Harry D99C, Sennheiser MKE 2002, u. a.) sowie im Studio parallel dazu in Stereo mit zwei Großmembran-Microphonen.

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Kunstkopfaufnahme von Geräuschen aus Plastiktüten für das Projekt
„Meeresgrund“.
Aufgenommen im SynxsS Synthesis Sound Studio von Bernd-Michael Land in Rodgau.
(Juni 2015)

Die synthetischen, rein elektronisch erzeugten Klänge, werden mit den Geräuschen aus der Natur später in Echtzweit auf der Bühne gemischt.

Durch die Verfremdung mit Effekten, Ringmodulatoren und Pitchshiftern, werden die Naturklänge oft sehr stark verändert, sie stehen daher gleichberechtigt in einer dynamischen Wechselbeziehung, um eine neue hybride Realität zu erschaffen.

Jeder einzelne Klang wird sehr sorgfältig und speziell für die echte Quadrophonie erstellt und bleibt während des gesamten Prozesses bis zur Wiedergabe beim Konzert weitgehend getrennt.
Auch sämtliche Atmos und Pads aus elektronischen Klangerzeugern wurden speziell für vier separate Kanäle erstellt und angepasst.

Die Position im Raum

Alles geschieht in Echtzeit auf der Bühne.
Es ist möglich, jedes einzelne Signal über die Subgruppen und dem Panorama-Regler im Mischpult auf einen ganz bestimmten Lautsprecherkanal zu routen.

Ein spezieller Quad-Prozessor ermöglicht es, die Audiokanäle frei im Raum wandern zu lassen oder an einer bestimmten Stelle zu platzieren.

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Quadrophonisches Konzert „Das Lächeln der Bäume“ im Rumpenheimer Schloss in Offenbach am Main.
(Oktober 2011)

Dies kann via Joystick oder über LFOs (Low Frequency Oscillator) automatisiert erfolgen und reicht von sehr langsamen Bewegungen bis in den Audiobereich

Auch die Intensivität ist dabei stufenlos regelbar und reicht von weichem subtilen Wabern bis zu hartem Panning. Eine Verteilung nur „links-rechts“ oder nur „vorn-hinten“ ist ebenso möglich.

Diese „falschen“ Informationen, die unsere Ohren so erreichen, kann das menschliche Gehirn nicht korrekt umsetzen, da es solche Hörgewohnheiten einfach nicht kennt und der Mensch in seiner auditiven Wahrnehmung getäuscht wird.
Mit der Möglichkeit der freien Bewegung von Klängen innerhalb eines Raumes, schafft Bernd-Michael Land eine rezeptive Umgebung und sehr interessante Möglichkeiten im Raum- und Zeitkontext.

Die Klänge entsprechen nicht mehr der alltäglichen Hörpraxis und definieren aufgrund der Verzeitlichung eine fremde Umgebung.
Der Zuhörer erlebt die Musik, die speziell für ein quadrophonisches Lautsprechersystem geschaffen wurde, als etwas musikalisch völlig Neues und Unbekanntes.

Das Rauminstrument

Sphärische mehrdimensionale, surreeale Klänge verzaubern den Hörer und regen ihn zum Träumen an.

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Endzeit Ausstellung in Mainz.
Quadrophonisches Konzert „Das Lächeln der Bäume“
(Dezember 2012)

In Verbindung mit der Mehrkanalwiedergabe werden die Klänge beweglich und lassen sich durch den Raum steuern. Synchron zu ihrem Klang werden die Sounds in Echtzeit überblendet, gemischt und gemorpht und durchlaufen so eine Vielzahl verschiedener technischer Prozesse.

Der elektronische Synthesizer wird zu einem wahren „Rauminstrument“ und katapultiert das Hörerlebnis in eine neue Dimension.

Planet Synth

Evironment / Warum Quadrophonie?
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